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Die Familie Thun

Zur Vertiefung:
Zum ersten Mal erscheint der Name des Geschlechts der Tono, in der Folge eingedeutscht in Thun – wovon sich auch der Name des Schlosses im Val di Non ableitet – im 13. Jahrhundert, als die Thuns die alte Festung Belvesino erwarben und damit begannen, sie zu einer prächtigen Familienresidenz umzubauen. Von da an sollte das Geschlecht der Thun die Geschichte des Fürstbistums Trient bestimmen und sich auch auf europäischer Ebene bemerkbar machen.

Die große Ausdehnung des Burgkomplexes zeugt vom Ordnungswillen der Architektur, der es gelungen ist, sich die komplexen topographischen und geomorphologischen Gegebenheiten der umliegenden Berglandschaft zu Verteidigungszwecken zunutze zu machen. Auf dem Gipfel eines Hügels erhebt sich der zentrale Gebäudekomplex von Castel Thun: ein stattlicher Palast mit quadratischem Grundriss mit drei gotischen Spitztürmchen an den Seiten und einem vierten an der Ecke. Auf den unteren Ebenen befindet sich eine Reihe von Ringmauern, die noch vom jahrhundertelangen Umbau des Schlosses von einer zu Verteidigungszwecken erbauten Festung zu einem prächtigen Adelssitz stammt und mit Ecktürmchen, klotzigen Wehrtürmen, doppeltem Wall und Burggräben ausgestattet war. Auf der Nordseite befindet sich vor der Holzbrücke, der ehemaligen Zugbrücke, das einzigartige Spanische Tor. Das Tor trägt seinen Namen in Erinnerung an die legendäre Spanienreise eines jungen Thun, wird von zwei Türmchen, den sogenannten „maltesischen Türmchen“, geschützt und von einer eindrucksvollen Rustika verziert.

Mit den Worten Prunk und Kostbarkeit lassen sich die 150 Räume des Schlosses wohl am besten beschreiben. Für ihre Eleganz zeichnen sich insbesondere das zur Gänze mit Zimbernholz ausgetäferte Gemach des Bischofs (“Stanza del Vescovo”) und das Kaminzimmer mit seinem prachtvollen Renaissancekamin auf. Im Zimmer der Toten (“Stanza dei morti”) sind an den Wänden noch die schwarzen Rauchspuren der Kerzen zu sehen, die zu den Totenmessen angezündet wurden.   


DIE FAMILIE THUN; EINES DER ÄLTESTEN TRENTINER ADELSGESCHLECHTER 
Die Familie Thun ist eine der ältesten, wenn nicht sogar die älteste Adelsfamilie des Val di Non und lässt sich mithilfe dokumentarischer Belege mindestens bis zum 12. Jahrhundert zurückverfolgen. Die Familie ließ sich im unteren Talbereich nieder, wo sich noch immer die Gemeinde Ton befindet, und ließ im Laufe der Zeit das mächtigste Schloss der Noce-Täler errichten. Ihren Namen erhielten die von Thun von ihrem Herkunftsort, dem Dorf Ton, das in der Folge die deutsche Form „Thun“ annahm. Als ursprüngliche Vasallen konnten die von Thun im Laufe der Jahrhunderte mit der Errichtung der ersten Schlösser im unteren Talbereich allmählich ihre Feudalherrschaft ausbauen, um diese danach auch auf den mittleren und oberen Talbereich bis hin zu den Grenzen zu Südtirol und sogar zu den Ländern jenseits der Alpen auszuweiten. Der Aufstieg der Thun vollzog sich insbesondere im 14. Jahrhundert, das durch die starken Spannungen zwischen dem Fürstbistum Trient und der Grafschaft Tirol gekennzeichnet war. Durch eine weitsichtigen Heiratspolitik gelangten die von Thun in den Besitz zahlreicher bedeutender Rechte und Besitztümer im ganzen Val di Non (Castello di Thun, Castello di Bragher, Castello di Castelfondo, Castello di Caldes …), wobei sie die Bewohner des Tals, die von den Thun politisch wie wirtschaftlich stark abhängig waren, im guten wie im schlechten Sinne beeinflussten. Im 15. und 16. Jahrhundert konnten die von Thun weiter ihre Reichtümer vergrößern und gleichzeitig auch ihr soziales Prestige. Unter den bedeutendsten Persönlichkeiten des Adelsgeschlechts ist Lukas Thun, der, zusammen mit seinem Bruder Sigismund (Berater der Kaiser Maximilian I. und Karl V.), kaiserlicher Botschafter am Konzil von Trient war und sich dafür einsetzte, dass die Familie in die Gnade der Kirche aufgenommen wurde, wie die Ernennung einiger Vertreter der Familie zum Fürstbischof bezeugt. Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts gelang es der Dynastie, ihr Vermögen zusammenzuhalten, obwohl sich schon mehrere Abstammungslinien abgezeichnet hatten. Die drei Hauptlinien wurden von Castel Thun, Castel Caldes und Castel Bragher repräsentiert; aus letzterer ging eine wichtige böhmische Linie hervor, von deren Prunk noch immer einer ihrer prachtvollen Paläste in Prag zeugt, der heute Sitz der italienischen Botschaft ist. Im 17. und 18. Jahrhundert festigten die drei Trentiner Linien der Thun immer mehr ihre Macht und ihren Reichtum. Unter den herausragenden Persönlichkeiten dieser Zeit waren Sigismund Alfons, Dominikus Anton und Petrus Vigilius, mit dem die Dynastie und gleichzeitig auch das Fürstbistum zu Ende gingen. Das Adelsgeschlecht der Thun hat uns im Laufe der Jahrhunderte (zwischen Renaissance, 18. Jahrhundert, Kaiserreich und Biedermeierzeit) dank seiner Mäzene und florierender Finanzen einen bedeutenden und wertvollen Schatz aus Gemälden, Skulpturen, Porzellan, Einrichtungsgegenständen, Truhen und Kutschen hinterlassen. Dank der Restaurierungsarbeiten, die durch die großzügige Finanzierung seitens der Autonomen Provinz Trient ermöglicht wurden, kommt diese jahrhundertealte Kunst, Kultur und Geschichte nun endlich zutage und wird auch der Öffentlichkeit zugänglich. Das Schloss wird nun wieder in der Lage sein, kulturelle Veranstaltungen zu beherbergen, die an diese auf der ganzen Welt bekannte Dynastie erinnern. Indessen hat die Theatergruppe “Gli Amici di Castelfondo” („Die Freunde aus Castelfondo“) unter der Leitung von Giorgio Ianes schon immer in wahrheitsgetreuen historischen Aufführungen die wichtigsten Ereignisse in der Epoche der Thun, insbesondere jene der Linie aus Castelfondo, wiederaufleben lassen. 
Caterina Dominici


DIE FAMILIE THUN: ACHT JAHRHUNDERTE VOLLER GESCHICHTE   
Die Geschichte der Familie Thun hat über mehrere Jahrhunderte hinweg die Ereignisse in den Noce-Tälern und im Trentino geprägt; hat aber auch dessen Grenzen überschritten und auch auf europäischer Ebene Spuren hinterlassen. Der erste Vertreter der Familie ist Albertino de Tomo, der im Jahre 1050 erwähnt wird; im Jahr 1199 übertrug der Fürstbischof von Trient den Brüdern Albertinus und Manfredinus de Thunno vom „Dosso di Visione“ die Befugnis, dort ein Schloss zu errichten. Im Jahr 1267 hatten sie sich bereits im Castello di „Belvesino“ niedergelassen, dem heutigen Castel Thun. Ab dem 13. und während des gesamten 14. Jahrhunderts konnte die Familie Thun ihre Macht stetig ausbauen und ihre Stellung innerhalb der trentinisch-tirolischen Aristokratie immer weiter verbessern. Im Jahr 1321 erwarben die von Thun Castel Bragher und konnten, von der Revolte im Jahr 1407 profitierend, ihren Einflussbereich ausweiten: So erlangten sie das Schloss von Castelfondo und die Gerichtsbarkeit über den gleichnamigen Ort. Im Laufe des 16. Jahrhunderts spielte Sigismund Thun (1487–1569), ein geschickter Entwickler von Familienstrategien und treuer Diener des Habsburger Kaiserhofes, eine Hauptrolle und erhielt ein Amt als kaiserlicher Redner beim Konzil von Trient. Dank seines Ansehens eröffnete sich vielen Vertretern der Familie der Zugang zu bedeutenden Ämtern am Kaiserhof, im Heer und in der Diplomatie. Die Thun konnten sich in der Folge die Umwälzungen in Europa zunutze machen, erwarben ab dem Dreißigjährigen Krieg bedeutende Besitztümer in Böhmen und riefen damit eine neue dynastische Linie ins Leben. Nachdem sie die Titel „Baron“ (1604) und dann „Graf“ (1629) zugesprochen bekommen hatten, „eroberten“ sie sich regelrecht bedeutende kirchliche Ämter an zahlreichen Orten, unter anderem in Trient (mit vier Fürstbischöfen), Brixen und Salzburg, Gurk und Passau. Mit dem Ende des 17. Jahrhunderts und des „Ancien Regime“ begann für die Trentiner Linien der Familie Thun eine Zeit des Niedergangs und der Krise, die unter anderem zum Verkauf von Castel Thun an die Verwandten der böhmischen Linien führte. Gerade von dort kommen die letzten Vertreter der Dynastie, wie Leo, Minister für Cultus und Unterricht, der eine wichtige Universitäts- und Schulreform in der österreichischen Monarchie erließ und Franz, Statthalter Böhmens und 1898 Ministerpräsident des Kaiserreichs, der 1911 von Franz Joseph I. in den Fürstenstand erhoben wurde. Im Jahr 1926 erwarb Franz Guidobald Castel Thun von seinen Trentiner Neffen, richtete sich dort seinen Wohnsitz ein, brachte wichtige Restaurierungsarbeiten voran und kehrte damit dahin zurück, wo die Geschichte seiner Familie einmal begonnen hatte.
Alberto Mosca